Landespressekonferenz – Neugestaltungsprojekt vorgestellt

Die Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel wird bis Anfang 2018 grundlegend neu gestaltet und ausgebaut, teilte die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten in einer Pressekonferenz in Hannover mit. Es entsteht ein zentraler Gedenkort zur Justiz und zum Strafvollzug im Nationalsozialismus.

Die Justiz und der Strafvollzug waren zentrale Mittel für die Durchsetzung der NS-Gewaltherrschaft. Dieses Thema soll in der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel künftig mit zukunftsweisenden Vermittlungsformen dargestellt werden. Die Neugestaltung, an der seit Ende 2014 ein sechsköpfiges Team aus Historiker_innen und Medienpädagog_innen arbeitet, habe auch das Ziel, zeitgemäße Formen der Darstellung und Vermittlung zu entwickeln, sagte die Vorsitzende des Stiftungsrates der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Kultusministerin Frauke Heiligenstadt bei der Vorstellung der Neukonzeption:

„70 Jahre nach Kriegsende spüren wir zunehmend die Herausforderung, die Erinnerung lebendig halten zu müssen. In Wolfenbüttel werden nun innovative Methoden entwickelt, die der besonderen Bedeutung der Gedenkstätte als regionaler, nationaler und europäischer Erinnerungsort gerecht werden und die auch junge Menschen in geeigneter Weise ansprechen.“

Ein neues Bildungskonzept soll künftig die restaurierten historischen Orte mit einem multimedialen Lernraum verbinden. Das Erdgeschoss des ehemaligen Hinrichtungsgebäudes wird als Gedenkort und Großexponat baugeschichtlich erschlossen und auf den Grundriss vor 1945 zurück gebaut. Ab 2017 wird die Gedenkstätte um einen Neubau mit Ausstellungs- und Multifunktionsräumen auf dem Gelände der JVA erweitert. Die Lage des neuen Dokumentationszentrums am Rande des Sicherungsbereiches ermöglicht dann den offenen Besucherzugang ohne vorherige Anmeldung.

„Am Ende der Neukonzeption soll ein zukunftsweisendes Museum stehen, das am historischen Ort exemplarisch zeigt, welche Rolle Justiz und Strafvollzug in der Verfolgungs- und Mordpolitik der Nationalsozialisten spielten und welche Folgen das für uns heute hat“

so Dr. Jens-Christian Wagner, Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten. Die Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel – neben der Gedenkstätte Brandenburg-Görden – bundesweit die einzige Gedenkstätte zum Themenkomplex „Justiz- und Nationalsozialismus“, die innerhalb einer in Betrieb befindlichen Justizvollzugsanstalt besteht.

Auch auf die Entwicklung nach 1945 soll in der neugestalteten Gedenkstätte hingewiesen werden.

„Das Neugestaltungsprojekt ist die entscheidende Chance für die Weiterentwicklung der Gedenkstätte: nicht nur durch die weitere thematische Erforschung des Themas „Justiz und Strafvollzug im Nationalsozialismus“, sondern auch mit der Darstellung der Kontinuitäten und Brüche nach 1945“,

sagte dazu Martina Staats, Leiterin der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel.

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