Ein Materialkoffer zum Thema Zwangsarbeit. Foto: Stefan Wilbricht/Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel

Ein Materialkoffer zum Thema Zwangsarbeit

Für die Vermittlungsarbeit der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel soll für das Schuljahr 2015/16 ein Material- und Methodenkoffer konzipiert werden, der die Möglichkeit bietet, mit verschiedensten Materialien und Objekten in das Thema Strafvollzug und Justiz im NS einzusteigen. Um für die Entwicklung des Koffers Anregungen zu finden, besuchten wir das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide. Dort stellte uns die Mitarbeiterin Daniela Geppert den Materialkoffer Zwangsarbeit vor.

Aufgerufen von Denk-mal-an-Berlin e.V. beschäftigten sich Zehntklässler einer Neuköllner Oberschule 2014 mit dem Thema Zwangsarbeit und brachten ihre Erwartungen, Wünsche und Interessen in die Entwicklung des Koffers ein. So wurde der ursprüngliche Ansatz, einen Zugang zur Geschichte der Zwangsarbeit über das Objekt zu schaffen, um die persönliche Geschichte einer polnischen Zwangsarbeiterin und eines niederländischen Zwangsarbeiters erweitert. Die beiden Leitbiografien werden durch historische Dokumente, Karten, Fotografien und Objekte ergänzt. Die Materialien kommen aus der Sammlung des Dokumentationszentrums sowie aus den Interview-Beständen des Projekts Zwangsarbeit 1939-1945 Erinnerungen und Geschichte.

Kleingruppen erarbeiten anhand von Objekten und mit Hilfe von Leitfragen, Aufgaben- und Infokarten verschiedene Themenbereiche, bspw. zu Arbeit, Alltag, Lebensbedingungen, Selbstbehauptung, Ernährung, Hygiene, Unterkunft, Entschädigung und Gedenken. Die Objektkästchen enthalten teilweise originale Fundstücke wie Stacheldraht, Glasstücke, Steine, eine Gedenkschleife oder die Fehlproduktion eines Stolpersteins, teilweise Reproduktionen wie Abzeichen, ein Stück Seife, das Sample eines Strohsacks, Kondome der Firma Fromms, eine Essschüssel, eine Brotattrappe, einen Rosenkranz etc.

Mittlerweile gibt es drei identische Materialkoffer, die zusammen mit pädagogischen Konzepten für Projektstunden, -tage oder -wochen von Schulen ausgeliehen werden können. Gerade für Inklusionsklassen mit blinden Schüler_innen eignet sich der Zugang über Objekte zum Ertasten und Anfassen.

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